KI-Chatverläufe im Strafrecht
In den USA wurden nun mehrere Fälle bekannt, in denen Verdächtige aufgrund von Chatverläufen mit KI-Chatbots überführt werden konnten. Aber auch in Deutschland ist Vorsicht bei der Frage geboten, welche Informationen man ChatGPT, Claude & Co anvertraut.
Nutzung von KI durch Mandanten
Der Siegeszug der künstlichen Intelligenz ist längst nicht mehr aufzuhalten. Und auch vor dem Strafrecht macht die KI dabei nicht Halt. So sind wir als Strafverteidiger etwa immer häufiger damit konfrontiert, dass Mandanten einen Sachverhalt bereits durch ChatGPT, Claude & Co haben erstbegutachten lassen, bei der Mandatierung bereits über eine ausgearbeitete Verteidigungsstrategie verfügen oder unsere Stellungnahmen durch entsprechende Dienste zu optimieren versuchen.
Dabei erfolgt der Umgang mit den KI-Anwendungen meist sehr unbedarft und insbesondere ohne ein Bewusstsein dafür, dass derartige Kommunikation digitale Spuren erzeugt, die nur einem eingeschränkten rechtlichen Schutz unterliegen. Während die Kommunikation zwischen dem Beschuldigtem und seinem Verteidiger etwa einem umfassenden Beschlagnahmeverbot (§ 97 Abs. 1 StPO) unterliegt und daher in Strafverfahren nicht verwertet werden darf, können die Strafverfolgungsbehörden nach herrschender Meinung unter den allgemeinen Voraussetzungen der Beschlagnahme (§ 94 StPO) auf etwaige Chatverläufe mit KI-Chatbots zugreifen und diese verwerten. Solche finden daher immer häufiger Eingang in die Ermittlungsakten.
Dabei erschöpft sich das Risiko nicht nur in nachträglichen Gesprächen mit KI-Bots über eine Verteidigung, in denen Täterwissen offenbart wird. Auch soweit ein Nutzer etwa für eine Tatbegehung oder sogar gänzlich unabhängig hiervon Auskünfte von der KI verlangt, kann ihm dies im Strafverfahren zum Verhängnis werden. So wurden in der jüngeren Vergangenheit etwa zwei Fälle bekannt, in denen Täter jedenfalls auch aufgrund ihres Nutzerverhaltens bei ChatGPT überführt werden konnten.
Planung eines Banküberfalls mit KI
In Nebraska nutzte ein Bankräuber zur Vorbereitung einer Tat die Dienste von ChatGPT, indem er sich dort etwa darüber informierte, wie schnell bei einem Banküberfall mit einem Eintreffen der Polizei zu rechnen sei, wie seine Pistole zu reparieren sei oder wo er als Vorbestrafter Munition für seine Waffe bekommen könne. Nachdem der Tatverdacht auf ihn fiel und er die Tat zunächst bestritten hatte, konnte er nicht zuletzt auch aufgrund dieser Unterhaltungen mit ChatGPT überführt werden – wobei er einer Durchsuchung seines Smartphones im konkreten Fall freiwillig zugestimmt hatte.
Identifizierung eines Nutzers per KI-Chatverläufen
In einem anderen Fall aus Maine hatten die Strafverfolgungsbehörden einen bereits seit längerem gesuchten Darknet-Admin mithilfe seines Chatverlaufs mit ChatGPT überführt, nachdem dieser in einem Forum mehrere harmlose Prompts zu Sherlock Holmes, Star Trek sowie einem Song von YMCA im Trump-Stil im Wortlaut geteilt hatte, die er in der Vergangenheit gegenüber dem Chatbot formuliert hatte. Über ein Auskunftsersuchen bei Open AI konnte dieser aufgrund der Einzigartigkeit dieser bekannten Prompts sodann identifiziert und festgenommen werden.
Die Verteidigung
Wenn gleich diese Sachverhalte in den USA spielen, ist auch in deutschen Strafverfahren eine zunehmende Bedeutung derartiger Beweismittel zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund kann die Empfehlung nur lauten, sensible Informationen zu möglichen Straftaten nicht unbedarft mit ChatGPT, Claude & Co zu teilen und dort auch keinen Rechtsrat einzuholen, der (vermeintliche) Rückschlüsse auf eine mögliche Tatbeteiligung zulassen könnte. Nutzen Sie in Ihrem eigenen Interesse lieber die natürliche Intelligenz und Erfahrung unserer Rechtsanwälte.
Ihre Strafverteidiger von KRAFT. Rechtsanwälte aus Mönchengladbach
Wussten Sie eigentlich, dass… der Begriff der technologischen Singularität den hypothetischen (zukünftigen) Zeitpunkt bezeichnet, an dem die künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz übertrifft und sich selbst in einer Weise verbessert, dass spätere Innovationen weitestgehend unabhängig von menschlichen Akteuren entwickelt werden? Führende Tech-Experten sind sich uneinig darüber, ob dieser Zeitpunkt gar bereits überschritten wurde.